Dawkins

Let There Be Brights – Richard Dawkins

Wie wird ein Mem erschaffen? Sie können sich beispielsweise zurücklehnen und die Verbreitung einer neuen Mode untersuchen, eines neuen Wortes, einer neuen Art zu gehen oder zu reden – und so lassen Sie ein Mem sich auf seine eigene Weise entwickeln. Ein Beispiel wäre das sich geradezu als ‘Epidemie’ ausbreitende englische Wort ‘basically’ (dt. ‘im Grunde genommen’), als Synonym für „äh …“. Aber in der Wissenschaft ist der ultimative Test das Experiment: Man wartet nicht einfach darauf, dass irgendwas passiert und beobachtet es dann, sondern man führt die Situation herbei, die man beobachten will.

Das Mem “gay” für Homosexuelle verbesserte ihren Status in der Gesellschaft und, ich bin so mutig das zu behaupten, mehrte das Glück einer einst geschmähten Minderheit. Ähnlich soll ‘bright’ eine Hilfe für eine andere in den USA belagerte Gemeinschaft werden: für diejenigen, in dem religiösesten Land der westlichen Zivilisation keine Religion haben, diejenigen, die als Atheisten, Agnostiker, Freidenker, Naturalisten, Säkuralisten oder Humanisten bezeichnet werden.

Eine Gallup-Umfrage aus dem Jahr 1999 fragte amerikanische Wähler folgende Frage: „Wenn Ihre Partei eine allgemein gut qualifizierte Person zur Präsidentschaftswahl aufstellen würde und diese Person X wäre. Würden Sie die Person wählen?“ X nahm dabei die folgenden Werte an: Katholik, Jude, Baptist, Mormone, Farbiger, Homosexueller, Frau, Atheist. Sechs der acht Kategorien erhielten Werte von über 90 Prozent. Aber lediglich 59 Prozent würden einen Homosexuellen und gar nur 49 Prozent würden einen Atheisten wählen. Man muss dabei bedenken, dass es 29 Millionen Amerikaner gibt, die sich selbst als nicht-religiös, säkular, Atheist oder Agnostiker beschreiben; das übertrifft die Anzahl der Juden um das Zehnfache und alle anderen Religionen außer dem Christentum sogar noch mehr.

Dieselbe Frage wurde von Gallup im Jahre 1978 gestellt, mit aufschlussreichen Unterschieden. 1978 hätten lediglich 26 Prozent der amerikanischen Wähler daran gedacht, einen Homosexuellen zu wählen. Ist es möglich, dass das Wort „gay“ und die mit ihm aufgekommene Schwulenbewegung teilweise für die Verbesserung auf 59 Prozent im Jahr 1999 verantwortlich ist? Falls ja, gibt es allen Grund für die verachteten 29 Millionen nach ihrem eigenen „gay“ zu streben.

Ich bin ein Bright. Sie sind (wahrscheinlich) ein Bright. Die meisten der Menschen, die ich kenne, sind Brights. Die Mehrzahl der Wissenschaftler sind Brights. Wahrscheinlich gibt es eine Menge geheimer Brights im Parlament, aber sie trauen sich nicht, es öffentlich zu sagen. Bedenken Sie bei diesen Beispielen, dass das Wort ein Substantiv ist, kein Adjektiv. Wir Brights behaupten nicht, bright im Sinne von intelligent zu sein, genauso wenig, wie die Schwulen behaupten, gay im Sinne von erfreut zu sein. Ob eine statistische Tendenz für Brights (Substantiv) besteht, bright (Adjektiv) zu sein, ist zu untersuchen. Ich würde mich über eine solche Untersuchung sehr freuen und ich halte ein Ergebnis für wahrscheinlich, aber das hat nichts mit der Definition des Substantivs zu tun.

Das Substantiv Bright wurde von Paul Geisert und Mynga Futrell aus Sacramento in Kalifornien geprägt. Im April war ich bei einer Präsentation von ihnen über das neue Wort in Florida und wenig später starteten sie das ‘The-Brights.net’. Dieses neue Mem wurde kurze Zeit darauf durch zwei enthusiastische Artikel in Zeitungen mit großen Auflagen lanciert. Am 21. Juni folgte der renommierte Philosoph Daniel Dennett mit „The Bright Stuff“ in der New York Times. So ist das Brights-Mem entstanden. Wird es sich wie „gay“ oder die falsch-herum getragene Baseball-Cap verbreiten? Oder wird es im Meer der Meme untergehen? Ich hoffe, es wird einen erfolgreichen Start haben. Ich wette sogar, dass es dies trotz der Feindschaft derjenigen erreicht, die das Wort falsch verstehen und es als arrogantes Adjektiv verunglimpfen, und derjenigen, die dem Erfolg von „gay“, und aller solcher Wortschöpfungen kritisch gegenüberstehen.

Aber am meisten bin ich als ein unvoreingenommener Wissenschaftler einfach neugierig, was passieren wird.


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