Lest dies und glaubt!

4 Oct
2009

“freidenker/in”, die Zeitschrift der notorisch gegen den § 188 des österreichischen Strafgesetzbuches verstoßenden österreichischen FreidenkerInnen, ist eben erschienen. Diese Zeitschrift kann man abonnieren, oder sie ist in der Mitgliedschaft beim Freidenkerbund enthalten.

Viel offener, weil man nicht erst danach fragen und auch nichts dafür bezahlen muss, zeigt sich da die Heilige Mutter Kirche, genauer gesagt die Erzdiözese Wien. In den nächsten drei Wochen wird sie ihre neue Zeitschrift “Der Sonntag für Alle” an sämtlich 1,5 Millionen zur Erzdiözese gehörenden Haushalte verschicken, darunter auch die vielen von Satan verführten und Ungläubigen. Ja, das Herz der Heiligen Mutter Kirche ist so groß, dass sie ihre kostbare, informative und wertvolle Zeitschrift auch denen schickt. Denn ob man vom Judentum, dem Islam, dem Buddhismus oder einer anderen Geisteskrankheit befallen wurde – alle können noch gerettet werden (also fast alle, Leute wie Niko Alm und Christoph Baumgartner nicht, die haben sich die Hölle selbst ausgesucht, die sollen brennen).

“Die Zeitung geht auch an Andersgläubige oder an die, die ohne Glauben sind, damit die Kirche, die ja in vielen Bereichen tätig ist und oft missverstanden wird (…) eben besser bekannt wird”

sagte niemand geringeres als der Erzbischof Kardinal Maria Schönborn zu orf.at.

Und neben der wertvollen Information über die zahllosen Heilstätigkeiten der Heiligen Mutter Kirche bringt “Der Sonntag für Alle” etwa Artikel über Frauen in der Kirche (Köchinnen, Putzfrauen, etc.) und was sie erreichen können (demütig dem Herrn zu dienen). Auch die Situation von Wiederverheirateten werde beleuchtet (Das wir euch Stigmatisieren und verdammen heißt nicht, das wir euren Kirchenbeitrag nicht wollen). Den Höhepunkt aber, und vor allem dadurch wird die Kirche wohl den gewünschten Effekt der abertausenden Wiedereintritte und huntertausenden Konvertierungen erreich, stellt ein großes Interview mit dem Erzbischof Kardinal Maria Schönborn da. Ausnahmsweise erfährt man etwas über den zurückhaltenden und öffentlichkeitsscheuen, sich ganz der Liebe zu Gott im stillen Gebet widmenden obersten Hirten der österreichischen Schafe. Amen.

1 Response to Lest dies und glaubt!

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Sandy

October 22nd, 2009 at 8:25 pm

Ich betrachte Religion als ein Zeichen von unsicherheit. Wer es aushält, Bibel bzw. Koran zu lesen, wie ich eine philosophische Abhandlung oder einen spannenden Roman, dem schulde ich respekt. Außer brutalen Szenen, die mich die erbärmliche Gestalt eines Versagers vor meinem geistigen Auge sehen lassen, stehen dort nur Binsenwaisheiten drinnen.

Mein Leben verdanke ich den Aufklärern und mehr denjenigen, die auch ihr Leben für diesen Traum lassen mussten. Nicht der Bibel, dem Koran und schon gar nicht dem lieben Gott.

Danke euch, ihr könnt hier noch unbesorgt schreiben. Ich mache mir ernsthaft sorgen, dass sich der Fundamentalismus durchsetzt.

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