Am Wochenende hat in der Oststeiermark ein betrunkener Jugendlicher auf dem Heimweg von einem Fest zwei Fußgängergruppen gerammt, zwei junge Frauen starben dabei. Eine große Tragödie die einen ganzen Ort erschüttert, glaubt man dem Boulevard. Und in ihrer Not wendet sich die Gemeinde hilfesuchend der heiligen Mutter Kirche zu, oder zumindest hätte die das gerne, weshalb ihre hauseigene Boludevardzeitung beim “Lokalaugenschein” auch den Pfarrer befragt hat. Und eben dieser führt zum eigentlichen Thema dieses Eintrags.
Das Theodizeeproblem, die alte ungelöste Geißel der christlichen Definition von Gott (Wie kann Gott angesichts der Übel in der Welt zugleich allwissend, allmächtig und allgütig sein?), wird von ihm mit einem wohl kaum vom Lehramt akzeptierten Angriff auf Gott als irgendwie mächtig oder wichtig gelöst:
“Die Frage ist immer, warum der liebe Gott so etwas zulässt. Aber Gott kann nicht dazwischenfahren und verhindern, was durch menschliches Versagen ausgelöst wurde.”
Nun ist die Grundlage des christlichen Glaubens, die Bibel, voll von Geschichten darüber wie Gott genau das getan hat. Auch die weitere Grundlage der heiligen Mutter Kirche, die Überlieferung, ist reich an Geschichten über Gottes direktes oder indirektes (durch die Heiligen) Wirken. Ist der vormals Allmächtige im Alter impotent geworden?
Sein ebenfalls nicht ganz junger Stellvertreter auf Erden würde dies wohl verneinen, und den sündigen Ketzer der dies behauptet exkommunizieren. Damit bliebt das Theodizeeproblem freilich ungelöst. Denn der häufigste Propagandaschmäh der heiligen Mutter Kirche und ihrer Wissenschafter Märchenonkel, der Theologen, dass Gott das Leid in der Welt nicht verhindere da er in seiner Güte den freien Willen der Menschen einschränkt, oder abschafft, hält auch nur solange man nicht darüber nachdenkt. Den die Willensfreiheit ist ja schon beschränkt, niemand bekommt alles was er will oder kann alles machen was er will, der Mensch ist auf so viele Weisen beschränkt, nur die Beschränkung, dass es kein Leid in der Welt gibt, wäre schlecht? Ganz abgesehen davon rennt der Gläubige mit dieser Argumentation frontal in einen Widerspruch, denn wenn tatsächlich die Wahl zwischen Leid und Willensfreiheit besteht, und Willensfreiheit das höhere gut ist, wie kann dann im Paradies kein Leid bestehen?
All diese Fragen stellen sich dem oststeirischen Pfarrer nicht, den sein Gott kann leider, leider nichts machen…