Das Meme des fundamentalistischen Atheismus wird von der Seite der Anti-Säkularen immer wieder gerne aufgewärmt und multipliziert. Atheismus ist doch auch eine Art Religion, auch die Atheisten “glauben” nur, dass es keinen Gott gibt und, wenn sie diese Meinung vertreten sind sie doch auch Fundamentalisten. Oder?
Science flies you to the moon, religion flies you into buildings.
Dieser Versuch der Meinungsmanipulation kann knapp widerlegt werden: Astheismus hält solange an der Hypothese, dass es keinen Gott (Götter, Übernatürliche Superwesen, etc.) gibt, bis das Gegenteil bewiesen ist. Die Sekunde, wo ein Gott nachweisbar im Diesseits interveniert, kann es keinen Atheismus mehr geben. Erst durch das Leugnen der vorhandenen Beweise werden die Atheisten zu Fundamentalisten. Gibt es diese Beweise? Nein. Dann gibt es auch keinen fundamentalistischen Atheismus.
Eine bessere Ausführung dieses Gedankens gibt es im Economist online nachzulesen.
11 Responses to Gibt es den atheistischen Fundamentalismus?
Walter
July 26th, 2009 at 1:33 pm
Das Problem hierbei ist, dass für viele schon eine Blume als „Beweis” dient. Wie will man hier noch rational argumentieren?
Lukas
July 28th, 2009 at 5:01 pm
Danke für den Link! Netter Artikel. Ich denke, wir Atheisten können schon mal froh sein, dass wir vom passiven Verstecken nun endlich mal beim aktiven “Hey, es gibt uns auch!” angelangt sind. Eintreten für eine Überzeugung (säkularer Humanismus) oder auch eine Theorie (Evolution) gestützt auf Vernunft und Wissenschaft ist doch nicht gleich fundamentalistisch! Fundamentalismus ist etwas irrational Glaubenbedingtes – wie kann ein UN-Gläubiger/Säkularer/Naturalist dann fundamentalistisch sein?
Andi
July 29th, 2009 at 12:40 am
Dem Artikel kann ich nur voll und ganz zustimmen. Wenn wir die Gotteshypothese wissenschaftlich betrachten, so erkennen wir, dass sie einfach nicht haltbar ist. In der Wissenschaft versuchen wir für Problemstellungen die Lösungen zu finden, die die wenigsten Fragen offen lassen. Führen wir die Existenz eines Gottes ein, so wird keine Problemstellung einfacher, sondern nur noch komplizierter. Daraus folgt: Wir brauchen keinen Gott um das Universum zu beschreiben.
Atheismus ist einfach nur eine logische Schlussfolgerung der wissenschaftlichen Beschreibung unseres Kosmos. Und zurecht kann ich nur bemerken, dass ich solange am Atheismus festhalten werde, bis es einen physikalischen Beweis für die Existenz eines (oder auch mehrer) Götter gibt. Daran ist nichts fundamentalistisch, sondern voll und ganz logisch.
Es wird ja auch immer behauptet, wir Atheisten wären ja auch so etwas wie eine Art Religionsgemeinschaft. Da kann ich nur sagen: Das einzige, das Atheisten gemein haben, ist der Nicht-Glaube an einen Gott bzw. übernatürliche Kraft. Ein Atheist kann human, liberal und weltoffen sein, genauso wie aber auch konservativ, rassistisch und sexistisch. Es gibt keine Doktrin, bzw. keine Art von Katechismus, die vorschreibt, wie ein Atheist zu leben hat und welche moralischen Vorstellungen er vertreten soll.
MB
August 9th, 2009 at 5:31 pm
natürlich gibt es “atheistischen fundamentalismus”, ganz einfach deswegen, weil JEDE ÜBERZEUGUNG (ob religiös oder nicht) mit einer fundamentalistischen haltung (gekennzeichnet durch dogmatismus, intoleranz und denkverbote) verbunden sein kann.
alm
August 9th, 2009 at 7:29 pm
Das ist aber eine andere Definition als die im Posting, das eigentlich auch nur ein Hinweis auf den Artikel im Economist ist.
Franz Müller
August 16th, 2009 at 10:49 am
natürlich gibt es “atheistischen fundamentalismus”, ganz einfach deswegen ….
Die Argumentation ist so nicht schlüssig. Dass jede Überzeugung mit einer fundamentalistischen Haltung verbunden sein kann, heisst nicht, dass zwangsläufig jede Überzeugung mit einer fundamentalistischen Haltung verbunden sein muss.
Und die Weigerung, an einen Gott zu glauben, zumindest nicht an den der Christen, der Moslems oder den sonst irgend einer Glaubensgemeinschaft, ist logisch begründbar, so wie die Überzeugung, dass die Erde rund ist und wir aber dank der Schwerkraft, die nus zum Erdmittelpunkt zieht, nicht auf der Rückseite hinterfallen.
Denkverbote werden nur dort gesetzt, wo verlangt wird, dass an abstruse und wirre Dogmen GEGLAUBT wird, die im Widerspruch zur wahrgenommenen Realität stehen. Die WWEIGERUNG, an ein Wesen zu GLAUBEN, für dessen Existenz es nicht nur keinerlei reale Anhaltspunkte gibt, sondern das sogar im völligen Widerspruch zu unserer Vernunft steht, hat mit Dogmatismus ebenso wenig zu tun, wie die Überzeugung, dass in unserem Dezimalsystem 4 mal 4 sechzehn ergibt.
MB
August 16th, 2009 at 6:25 pm
ich hab es ungenau formuliert.
aus der tatsache, dass jede überzeugung mit einer fundamentalistischen haltung verbunden SEIN KANN, folgt, dass auch atheismus mit einer solchen haltung verbunden SEIN KANN. “atheistischer fundamentalismus” ist also MÖGLICH (sprachliche ungenauigkeit: es “gibt” ihn – kann möglichkeit und faktische existenz meinen).
ob ein solcher “fundamentalistischer atheismus” nun auch – hier und heute – faktisch existiert, das ist eine empirische frage, die ich mit ja beantworten würde: es “gibt” (auch im sinne faktischer existenz) “fundamentalistische atheisten”, das zeigt z.b. ein blick in einschlägige internetforen.
alm
August 16th, 2009 at 6:33 pm
Ich würde sogar einräumen, dass es fundamentalistische Atheisten gibt, aber keinen fundamentalistischen Atheismus.
Und Deppen gibt es hüben wie drüben. Es geht eher darum, dass der Vorwurf des fundamentalistischen Atheismus, ein Vorwurf auf dem Niveau eines beleidigten Kindes ist. Die Religionen haben mit ihrem militanten, bösartigen bisweilen terroristischen Fundamentalismus wirklich zu kämpfen. Bzw. “hätten”. Alleine sie tun sehr wenig dagegen. Stattdessen werfen sie lieber dem Atheismus vor, just another -ism zu sein: “Schaut bei euch sind doch auch Leute, die ihren Atheismus diskurslos verteidigen, weil sie einfach glauben, dass sie recht haben.” Der Punkt ist halt leider, dass die Beweislast nach wie vor ausschließlich bei jenen liegt, die übernatürliche Agenten postulieren.
MB
August 16th, 2009 at 6:49 pm
das ist jetzt aber eine interessante spitzfindigkeit, den “fundamentalismus” auf die individuen abzuwälzen, um den eigenen -ismus rein zu halten
ich würde eher sagen: wo fundamentalisten, da auch “fundamentalismus” (denn das wort meint ja doch haltung und verhalten der fundamentalisten …?).
aber, wie gesagt, das sind wirklich spitzfindigkeiten, und deppen gibt es letztlich überall, das ist völlig richtig.
es stimmt auch, dass derzeit vom religiösen (insbesondere islamischen, aber auch christlichen) fundamentalismus die größere gefahr ausgeht.
zur beweislast: es gilt zwar prinzipiell: “wer behauptet, muss beweisen”; aber die frage nach gott ist doch eine sehr spezielle, weil hier gar nichts bewiesen werden kann, weil es eben eine glaubensfrage ist.
die struktur der glaubensfrage ist nicht analog zu wissenschaftlichen fragestellungen; das anzunehmen, ist ein szientistisches missverständnis.
alm
August 16th, 2009 at 6:56 pm
Na dann sind wir ja schnell am Punkt angelangt, der uns unterscheidet. Ich halte sowohl die Frage nach Gott analog zu allen anderen Fragestellungen untersuchbar, aber mehr noch die gesellschaftlichen Auswirkungen an sich hinterfragenswert.
Ist der Glaube an Gott/Götter (ungeachtet möglicher Beantwortbarkeit) an sich eine gute Sache?
MB
August 16th, 2009 at 7:17 pm
die gesellschaftlichen auswirkungen (von religionen, von atheismen …) sind natürlich “hinterfragenswert”, es sollte da keine denkverbote geben.
zur frage nach gott und ihrer (un)beantwortbarkeit: “gott” ist zu verstehen als DAS ABSOLUTE/das unendliche (etwas ganz anderes als irgendein spaghettimonster!); wenn man diese definition akzeptiert, dann folgt daraus, dass die frage nach gott/dem absoluten/dem unendlichen mit den mitteln unserer relativen/endlichen vernunft niemals adäquat beantwortet werden kann. das ist ein notwendiger begrifflicher zusammenhang.
man kann natürlich sagen: “ich bin atheist, weil …” und dann einige gründe dafür anführen, das ist rationale argumentation; aber genauso kann der gläubige seine gründe anführen, auch das ist rationale argumentation (die du halt weniger überzeugend findest …). weder der atheist noch der gläubige erreichen mit ihrer argumentation das absolute. das macht die frage nach gott – letztlich – zur glaubensfrage.
der glaube an gott KANN eine großartige sache SEIN. es besteht heute die tendenz, den glauben an gott mit blindem gehorsam, unterwürfigkeit und dummheit in verbindung zu bringen. sicher, es gibt menschen, die einen solchen glauben haben. aber einen reflektierten, errungenen, dem zweifel abgerungenen glaube kann man wohl nur jedem menschen wünschen.
die sehnsucht nach dem absoluten zeichnet den menschen unter anderem aus, und diese sehnsucht, die sich als “glaube an gott” manifestieren kann, diese sehnsucht IST etwas großartiges.