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Im Standard gab es diese Woche einen Kommentar zum Thema (Was heißt eigentlich Religionsfreiheit?) von Wolfgang Müller-Funk zu lesen. Über weite Strecken handelt es sich dabei um eine faktische Analyse und es ist ihm auch zuzustimmen, dass die Laizität nicht das Allheilmmittel aller durch die Religionen aufgeworfenen Probleme darstellen kann. Schmerzhaft sind wie so oft die eingestreuten Nebensätze, wie z. B. jener:
Der Laizismus, dessen autoritäre Züge (Kopftuchverbot) unverkennbar sind, befindet sich als säkulare Religion nicht nur in einem permanenten Widerstreit mit allen anderen Religionen, sondern drängt gerade problematische Gruppen in den Untergrund und damit in die Unsichtbarkeit.
Mit Verlaub, das ist in mehrfacher Hinsicht unsinnig und paranoid: Das Kopftuchverbot bezieht sich auf die Situation in Frankreich und ist sicher diskussionswürdig, hier aber nicht der Punkt. Aber die Laizität als Laizismus bewusst zu einem -ismus zu machen und als säkulare Religion zu diffamieren, lieber Germanist, ist eine Schande für einen, der von Berufswegen sprachliche Sorgfalt walten lassen sollte. Laizismus ist ebensowenig eine Religion, wie es eine säkulare Religion überhaupt geben kann, aber das ist vermutlich ein Stilmittel des Germanismus, wie Müller-Funk ihn lehrt. Teil 2 des Arguments “drängt problematische Gruppen in den Untergrund” mag sogar stimmen, legitimiert aber keine Sonderrechte. Wenn in besagtem Untergrund (wo genau?) wirklich illegale Dinge passieren, dann ist natürlich dagegen vorzugehen. Mit dem gleichen, ewig perpetuierten Argument könnten Wehrsportübungen als Turnunterricht durchgehen. Und weiter:
Die zur Privatsache erklärte Religion verschwindet aus dem demokratischen Diskurs.
Auch das ist natürlich Unsinn. Die Religionsgemeinschaften sind schon alleine Kraft ihrer Größe beständiger Bestandteil des öffentlichen und demokratischen Diskurses.
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