Wochenrückblick: Religion vs. Wissenschaft

6 Jul
2008

Für die Christen muss die letzte Woche eine harte gewesen sein. So viele Sorgen. So zerbricht sich etwa der Augsburger Bischof, Walter Mixa, den Kopf über die Bedrohung Europas durch das Neuheidentum. Zum Vergleich zieht der Bischof die Bedrohung Augsburgs durch ein heidnisches Reiterheer im Jahr 955 heran. Die aktuelle Bedrohung listet kath.net wie folgt auf:

“Die europäischen Völker seien heute erneut von Neuheidentum und aggressiven atheistischen Ideen bedroht, betonte Mixa. Das christliche Menschenbild, das Europa seit der Missionierung durch den Heiligen Paulus selbst tief geprägt habe, werde heute durch Abtreibung, Euthanasie, Genmanipulation, Aushöhlung der Familie und materialistische Ausbeutung des Menschen entstellt…” (kath.net)

Mein persönliches Lieblingszitat aus der Predigt ist aber dieses:

„Europa wird auch in Zukunft christlich sein, oder es wird überhaupt nicht mehr Europa sein.“

Ebenfalls schweres Kopfzerbrechen bereiteten die Gottlosen diese Woche dem Kulturjournalisten Alexander Kissler und dem evangelischen Theologen Daniel von Wachter.

Kissler sieht in der Bewegung der Neuen Atheisten eine politische, nicht philosophische Bewegung um Richard Dawkins. Angestrebt werde eine globale Ethik, die sich durch das Eintreten für aktive Sterbehilfe, die Möglichkeit der Abtreibung bis zur Geburt sowie Klon- und Genexperimente mit menschlichen Zellen auszeichnet. Außerdem sorgt sich Kissler um eine Geringschätzung der Philosophie, da der britische Chemiker und bekennende Atheist, Peter Atkins, die Philosophie als „primitiven Vorgänger der Wissenschaft“ bezeichnet hat. Und der Sorgen nicht genug, wird Deutschland auch noch von atheistischen Kinderbuchautoren heimgesucht. Als Beispiele nennt Kissler die Schriftsteller Max Kruse und Janosch.

Wachler wirft den Neuen Atheisten vor, dass sie mit “Propaganda und Tricks” arbeiten, da sich (vor allem) die britischen neuen Atheisten “The Brights” nennen, ohne “diesen Anspruch zu belegen”. (Und das aus dem Munde von jemandem, der an Gott glaubt, ohne seine Existenz beweisen zu können…). Auch wirft Wachler den Atheisten und “ihnen sympathisierenden Medien” vor, sich einer Auseinandersetzung mit Evolutionskritikern zu verweigern, da die Atheisten durch das Wegbrechen der Evolutionstheorie möglicherweise ein starkes Argument für die Existenz Gottes anerkennen müssten. (idea.de) Dass es schon Atheisten vor der Eveolutionstheorie gab und auch diese ihre Haltung begründen konnten, wäre wohl etwas zu viel der Erkenntnis für Herrn von Wachler.

Christliche Studien
Dass die Christen Wissenschaftlern ganz gerne mal die Römische Inquisition auf den Hals hetzten ist eine historische Tatsache. Da Foltern und Verbrennen von Andersdenkenden aber heutzutage nicht mehr so einfach ist, haben die Christen eine subtilere Methode gefunden, ihr faktenfreies Weltbild zu propagieren – mit Hilfe der Wissenschaft. Da ihnen bzgl. Faktentreue und wissenschaftlichen Standards die Erfahrung fehlt, kommen mitunter ganz lustige Thesen dabei raus:

Gemeinsamer Kirchgang senkt das Scheidungsrisiko.(kath.net)
“Der US-Soziologe Bradford Wilcox weist Nutzen der Glaubenspraxis für Ehepaare nach”, schreibt da kath.net, muss aber am Ende des Artikels eingestehen, dass die Scheidungsrate bei Atheisten viel geringer ist.

Mit einer weiteren Studie beschäftigt sich, Sam Harris, Autor von “Letter to a Christian Nation”. Ein Auszug aus seinem Artikel:

“According to a recent Pew survey, 21 percent of atheists in the United States believe in “God or a universal spirit,” and 8 percent are “absolutely certain” that such a Being exists. One wonders if they were also “absolutely certain” they understood the meaning of the term “atheist.””

Sam Harris: The Boundaries of Belief. Newsweek, 07/2008

Freuen wir uns auf eine neue Runde/Woche im Kampf “Religion versus die Wissenschaft”.

PS: Eine weitere nicht uninteressante Anklage gegen Wissenschaftshörigkeit und den Neuen Humanismus von Kissler erschient morgen, Montag:

Alexander Kissler: “Angriff auf den Verbalwissenschafter”, 7.7.2008, Süddeutsche Zeitung

4 Responses to Wochenrückblick: Religion vs. Wissenschaft

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alm

July 7th, 2008 at 7:34 am

Wow, jetzt brauch ich gar nicht mehr Zeitung lesen. Sehr praktisch so ein Wochenrückblick!

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Judith

July 7th, 2008 at 11:03 am

so soll es sein :)

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“Schwarzbuch Waldorf”

September 7th, 2008 at 5:52 pm

[...] das Jugendmagazin der Sueddeutschen Zeitung. Zuletzt war Kissler als Kritiker der sogenannten “Neoatheisten” aufgefallen, der über Michael Schmidt-Salomons Buch “Wo bitte gehts zu Gott?” für die [...]

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Daniel

March 10th, 2009 at 11:08 pm

Ich muss sagen, was Ihr oben gefunden habt über unwissenschaftliche Aussagen ist wirklich peinlich!

Ich habe noch etwas gefunden, was ich irgendwie unwissenschaftlich finde: Manche bezeichnen sich als Atheisten und glauben gleichzeitig an den Spruch: There is probably no God.

Also entweder ist man doch Atheist und weiß, dass es keinen Gott gibt, oder man ist keiner. Oder sehe ich das falsch? Mir wurde es jedenfalls so von Atheisten erklärt. Ist man denn Atheist, wenn man glaubt, dass unter gewissen Umständen vielleicht doch ein Gott existieren könnte? Das impliziert zumindest Euer Spruch.

Ich selber bin Christ und muss Euch sagen, ich finde Eure Werbekampagne ziemlich gut. Ihr vertretet eigentlich genau die Meinung der Bibel: Now stop worrying! Enjoy your life!

Das ist genau das was die Bibel im neuen Testament sagt.
Es ist mir echt peinlich, wenn wir Christen manchmal etwas anderes vorleben und Moralapostel werden. Das war Jesus niemals im Gegenteil er hat die Menschen, die Fehler gemacht haben seine Liebe gezeigt und die Leute, denen Moral wichtiger als Liebe war, zurechtgewiesen. Jesus konnte auch mal richtig schön feiern gehen.

Dem Gott an den die Christen glauben reicht es im übrigen schon aus, wenn unser glauben so klein ist, dass wir mit einer minimalen Wahrscheinlichkeit annehmen können, dass es Gott vielleicht doch gibt. Gott wird sich dann finden lassen. Oder anders gesagt, wenn Ihr Euren Werbespruch wirklich von ganzem Herzen glauben würdet: There is probably no God! , dann werdet Ihr Gott finden. (Das haben Milliarden von Christen schon erlebt)

Es geht nicht darum hier zu missionieren, sondern um aufzuklären. Ich freue mich über Diskussionen und auch kritische Anmerkungen. Wenn es Gott wirklich gibt und die Bibel wirklich Gottes Wort ist, dann kann man die Bibel auch kritisch hinterfragen und nach Antworten suchen.
Ich finde es im übrigen auch sehr albern, dass sich Christen persönlich angegriffen fühlen, wenn Gott beleidigt wird. Wenn Gott ein lebendiger Gott ist kann er das selber regeln.
Dann seid mal ganz herzlich gegrüßt!
Euer Daniel

PS: wer mir schreiben möchte hier ist meine E-Mailadresse: djascheberg@yahoo.de

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