Mein “Do-it-yourself-Funeral”

12 Jun
2008

graveSchon mal beim Begräbnis eines Atheisten gewesen ? Nein? Ich schon. Und es war eine eher unrunde Veranstaltung, die der Person und ihren Überzeugungen leider nicht gerecht wurde.

Das Trauerbusiness liegt hierzulande fest in den Händen der diversen Glaubensgemeinschaften. Und so sind die Alternativen zum klassischen “Asche zu Asche, Staub zu Staub” rar – und Anhörige verständlicherweise mit der Planung eines derartigen Begräbnisses überfordert. Wer als Atheist ”a schene Leich” haben will, muss sich wohl beizeiten selbst darum kümmern.

WO & WIE
Am Beginn steht die Wahl der Grabstätte. Wer am Land lebt, hat oft das Pech, dass es nur sogenannte Pfarrfriedhöfe gibt. Da kann es vorkommen, dass – zumindest bei der Erstvergabe – nur Angehörige der jeweiligen Glaubensgemeinschaft eine Grabstelle bekommen. In Wien gibt es allerdings den “interkonfessionellen” Zentralfriedhof:

“Neben den katholischen Gräbern des interkonfessionellen Hauptteils beherbergt das riesige Areal einen evangelischen Friedhof, den neuen und den alten jüdischen Friedhof, eine islamische Abteilung, eine syrisch-orthodoxe Abteilung, eine moslemisch-ägyptische Abteilung, eine koptisch-orthodoxe Abteilung, eine griechisch-orthodoxe Abteilung, eine russisch-orthodoxe Abteilung, eine rumänisch-orthodoxe Abteilung, eine serbisch-orthodoxe Abteilung sowie Grabstätten der Anatomie.”

Ein konfessionsfreies Areal gibt es nicht. Dazu Erhard Rauch, Geschäftsführer der Wiener Friedhöfe:

“Selbstverständlich können alle konfessionsfreien oder konfessionslosen Personen überall auf dem Zentralfriedhof und auch auf den anderen 46 kommunalen [Wiener] Friedhöfen beerdigt werden. [...] Aber ich glaube nicht, daß konfessionsfreie Personen Probleme haben neben Religionsangehörigen zu liegen. Die gesetzlich anerkannten GG, und nur diese, ausgenommen der röm.kath.Kirche, haben am Zentralfriedhof, eigene Gruppen zur Verfügung, haben eine Organisation, die bei der Erstvergabe von Gräbern Ihre Zustimmung erteilen. Eine Gemeinschaft der Konfessionsfreien kenne ich nicht und kann ich mir auch nicht vorstellen und entspricht auch nicht den in Österreich gesetzlich anerkannten GG.”

Schade, dass es immer noch keine gesetztlich anerkannte Vertretung der Konfessionsfreien in Österreich gibt… vor allem, wenn man bedenkt, dass es anderswo sehr wohl eigene Friedhofsareale für Atheisten – oder auch für Schwule und Lesben gibt. Wer sich nicht dran stört im allgemeinen – also eigentlich römisch-katholischen – Teil beerdigt zu werden, hat ein Problem weniger.  Bei Feuerbestattungen ist da übrigens nicht viel unterschied. “Laut Gesetz muss die Asche anschließend in einer Bestattungsanlage beigesetzt werden und darf nicht an die Hinterbliebenen ausgehändigt werden.” Also nix mit Asche in alle Winde verstreuen und sonstigen New-Age-Sitten!

DIE FEIER
Ist das Problem der Grabstelle mal gelöst, kann man sich voller Vorfreude an die Gestaltung der eigenen Trauerfeier machen! Eine Emfpfehlung (keine Vorgabe) der Bestattung Wien für eine Erdbestattung lautet:

1. Beginn durch ein Orgelspiel
2. Gesangliche und / oder musikalische Darbietung
3. Einsegnung, Nachruf
4. Gesangliche und / oder musikalische Darbietung
5. Abschluss durch ein Orgelspiel
6. Kondukt (Trauerzug) zur Grabstelle
7. Ende der Trauerfeier am Grab

Bei Orgelmusik stellen sich mir – zumindest praemortem – gleich mal die Nackenhaare auf. Allerdings halte ich auch bisherige Vorschläge von Freunden und Kollegen bzgl. musikalischer Darbietung ebenfalls für eher ungeeignet (“Es lebe der Zentralfriedhof” von Wolfgang Ambros oder Led Zepplins “Stairway to heaven” sind ganz schlechter Input, meine Lieben!). Auch bezüglich Grabsteingestaltung und Trauerredner werde ich mir wohl noch alle Optionen offenhalten. Es gibt allerdings tatsächlich atheistische Trauerredner, etwa der deutsche exkommunizierte Priester und Autor Paul Schulz (“Codex Atheos. Die Kraft des Atheismus.”) Der sitzt leider in Hamburg. (Und ich habe die vage Hoffnung, dass ich ihn überleben werde). Wenn jemand von euch andere Redner kennt – bitte mailen oder posten.

Eher traditionell plane ich meinen Leichenschmaus. Bier und Schnitzel für alle – und sicher keine Vegetariermenüs.

www.bestattungwien.at
www.friedhoefewien.at

PS: Hinweis an alle Nerds, Geeks und Freaks >> Auch der virtuelle Nachlaß will geregelt sein!

19 Responses to Mein “Do-it-yourself-Funeral”

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Susanne

June 12th, 2008 at 3:22 pm

Äh – ist es als Atheistin nicht generell ein Widerspruch überhaupt irgendwas für das Begräbnis zu planen? Das könnte dir nach deinem Ableben doch völlig egal sein…nur mal so ein Gedanke :-)

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Judith

June 12th, 2008 at 3:27 pm

ich seh das eher als kleinen abschluß-event, den man für die angehörigen ausrichtet. und einfach ab in die biotonne mit der leiche ist ja vom gesetzgeber nicht erlaubt….:)

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Alm

June 12th, 2008 at 3:34 pm

Einfach auf einen zukommen lassen, geht ja schwer. Die Einstellung “nach mir die Sintflut” schadet dem Planeten und seiner Bevölkerung schon an anderer Stelle.

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bertl

June 12th, 2008 at 3:51 pm

Danke für den link zu Paul Schulz, macht gute Laune.

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dave

June 13th, 2008 at 8:33 am

Tja… aber die ganze Idee vom “Monument für die Nachwelt” find ich ja eher unsexy.. am liebsten zur See (natürlich!) auf einem brennenden Schiff bestattet werden… (kann auch ein Boot sein, je nach finanzieller Güte…)

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Judith

June 13th, 2008 at 8:52 am

…wie es sich für einen echten Piraten halt gehört :-)

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Musikempfehlung

June 16th, 2008 at 3:00 pm

Ich würde ja “don’t fear the reaper” von “blue öyster cult” empfehlen.
Zu meiner Zeit als nebenjobber am örtlichen friedhof hab ich aber auch schön “o fortuna”, “engel” von rammstein und “in a gadadavida” (oder so ähnlich) von butterfly gehört.

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alm

June 16th, 2008 at 3:04 pm

“Don’t Fear the Reaper” yes! Aber in der Version von Apollo 440

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Judith

June 16th, 2008 at 3:35 pm

verdammt, und ich hab die nebelmaschine entsorgt…die würde ja wohl hervorragend zu der mucke passen!

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Michel

June 16th, 2008 at 7:24 pm

Es gibt auch ein wunderschönes “Don’t Fear the Reaper” Cover von Unto Ashes.

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Robert Misik

June 17th, 2008 at 1:09 pm

wenn du willst, halt ich dir die rede, wenn deine terminplanung irgendwann in den nächsten vierzig jahren vorsieht (auch fünfzig möglich, wenn ich mit rauchen aufhöre)…

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Mein “Do-it-yourself-Funeral” at Ambros Wolfgang

June 17th, 2008 at 4:45 pm

[...] Mein “Do-it-yourself-Funeral” Allerdings halte ich auch bisherige Vorschläge von Freunden und Kollegen bzgl. musikalischer Darbietung ebenfalls für eher ungeeignet (”Es lebe der Zentralfriedhof” von Wolfgang Ambros oder Led Zepplins “Stairway to heaven” sind ganz … [...]

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Judith

June 18th, 2008 at 10:26 am

Das klingt doch großartig! wenn du mit rauchen aufhörst und ich meinen lasterhaften lebensstil nicht wesentlich ändere, haben wir einen termin …in schätzungsweise 45 Jahren!

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Michael

July 20th, 2008 at 3:27 am

Interessantes Thema. Bin nämlich auch gerade dabei mein Ableben zu planen. Leider findet man dazu recht wenig, jedenfalls religionsunabhängiges Material.

Musikalisch kann ich dir von Rammstein – Seemann empfehlen. Für einen solchen Anlass gibt es einfach kein besseres Lied. Dies ist mein persönlicher Favorit.

Und der Wunsch meines Großvaters. Feierobend.
http://www.youtube.com/watch?v=c6s032GNYEY

Dann wäre da natürlich der Klassiker: AC/DC mit Highway to Hell. Auf meiner Beerdigung ein Pflichtsong! ;)

Sollte ich mich für eine Feuerbestattung entscheiden, werde ich wahrscheinlich von Rammstein – Feuer Frei! beim Einschieben in den Ofen ablaufen lassen :D

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Eigener Friedhof für HSV-Fans

July 31st, 2008 at 10:27 am

[...] >> “Mein Do-It-Yourself-Funeral” This entry was written by Judith, posted on July 31, 2008 at 10:27 am, filed under Deutschland, [...]

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Herwig

August 16th, 2008 at 7:17 pm

Gut,daß Ihr Euch Gedanken über das Tabu-Thema Tod macht!!!
Eine ganze Branche lebt nicht schlecht davon, daß Tod und Sterben oft erst Thema werden, wenn’s zu spät ist.
Ein Ergebnis meiner Dissertationsstudie zum österreichischen Bestattungsvertrag war, daß es für Hinterbliebene eine sehr große Erleichterung gewesen wäre, wenn zu Lebzeiten über die Wünsche (Bestattungsart, -ort…) gesprochen worden wäre. Kurz nach der Todesnachricht schnell und unvorbereitet endgültige Entscheidungen treffen zu müssen, ist sehr belastend.
Eine Konsequenz dieser Dissertations-Studie und der (Nicht)-Reaktion der Bestatter-Zunft war die Gründung einer eigenen Bestattungsanstalt (Bestattungsanstalt Unschwarz), die zeigen möchte, daß es auch mit transparenten Leistungen, fairen Preisen und Kundenorientierung funktioniert.
Man sollte sich das Leben vom Tod nicht vermiesen lassen, aber rechtzeitig d’rüber nachzudenken und darüber zu sprechen hilft ALLEN Beteiligten (und spart Kosten).

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alm

August 17th, 2008 at 8:27 am

herwig, ein bisschen weniger das wort “kosten” einsetzen und deine werbung in postings ist effektiver und unauffälliger.

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Judith

August 17th, 2008 at 6:41 pm

@ herwig
wie stellt ihr das an, die Asche von der Friedhofs/Bestattungspflicht freizubekommen? Macht ihr das auch in Österreich?

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Herwig

October 9th, 2008 at 3:49 pm

@alm: Das mit den Kosten ist mir nicht aufgefallen, danke;-)
Unauffällige Werbung wollt’ ich aber gar nicht posten, deshalb steht ja ausdrücklich drin, daß eine Bestattungsanstalt gegründet worden ist um eben dem Verdacht der Schleichwerbung vorzubeugen. Die Empfehlung, sich rechtzeitig zu kümmern und zu vergleichen war sehr ernst gemeint, unabhängig von der Wahl des Bestattungsunternehmens.
@Judith: Ja, wir sind auch in Österreich tätig (ich wohn’ ja hier) und Urnenbefreiung ist auch hierzulande möglich (mit ein bißchen gutem Willen).
@Admin: Wenn’s schon wieder zuviel Werbung war, bitte löschen ;-)

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