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Die Katholen können es einfach nicht lassen. Nicht mal die Fans der Euro 2008 werden von der katholischen Beweihräucherung verschont. Denn der “offizielle geistliche Coach” für die Euro 2008, Christoph Pelczar, hat seine Chance auf persönliche Profilierung gerochen und hat nicht vor, die Fußballspieler und Fans einfach so feiern zu lassen…
“Besucht werden alles Mannschaften”, droht der Fußballpfarrer Pelczar und von “Notfallseelsorge in der Fanzone” ist da die Rede. Und von einer “Klagemauer”, um negative Emotionen auflösen zu können…insgesamt sollen in Wien 18 “sakrale Helfer” in der Fanzone missionieren/helfen.
Davon abgesehen gibt es auf der Freyung eine “Friedensmeile”, mit “familienfreundlichem public viewing”, da muss wahrscheinlich für jedes ausgesprochenen Schimpfwort ein Euro ins “Schimpfwortglas” gezahlt werden. Veranstaltet wird das ganze von “Christen am Ball”, der Verein will einen “bewussten Kontrapunkt” zur bösen, bösen, weltlichen Fanmeile setzen.
Der umtriebige Euro-Pfarrer hat übrigens auch noch ein spirituelles Trainingsbuch für die Euro 2008 veröffentlicht, Titel “Steilpass zum Menschsein” – und der ORF ist sich nicht zu dumm, auch noch den “Eröffnungsgottesdient” der Euro mit dem Europfaffen zu übertragen – Titel des Gottesdienstes ist – wenig überraschend – “Steilpass zum Menschsein” (8. Juni 2008, ORF 2 | 9.30 Uhr).
Da merkt man die jahrhundertelange Erfahrung der Katholen in Sachen Missionierung. Ob die UEFA weiß, dass die Katholen ein billiges Hintertürchen gefunden haben, um bei der Euro mitzupartizipieren – ohne “offizeller Partner” zu sein?
17 Responses to EURO 2008: Die große Katholen-Mission
alm
June 1st, 2008 at 3:16 pm
Es hat mit der Sache nichts zu tun, aber dieser rundliche Herr folgte einem gewissen Wolfgang Rathfelder im marchfeldischen Weikendorf als Pfarrer nach. Genannter Herr musste sich wegen einem kleinen Sexskandal aus der Gemeinde zurückziehen. Mit Skandal ist sexuelle Belästigung gemeint und nicht das übliche Pantscherl mit einer aufgeschlossenen Dame oder eine Bubendummheit im Kollegenkreis.
Christoph Pelczar hat zu seiner ökumenischen, supranationalistischen seelsorglichen Tätigkeit natürlich auch noch ein besonderes Gebet für das polnische Team in petto. Ob es was nützen wird, sehen wir am 12.6.
Das Blöde ist nur, wenn Österreich gewinnt, weiß ich zwar, dass Gebete nichts nützen, aber ich muss dann gezwungenermaßen an Wunder glauben. Mit diesem Paradoxon werde ich zum Glauben genötigt. Mist.
Judith
June 1st, 2008 at 4:37 pm
…da bin ich jetzt ein bisschen neidisch. in meiner heimatgemeinde hat der pfarrer nur ganz klassisch an der pfarrersköchin geknuspert und sonntags gingen die beiden immer händchenhaltend spazieren, inklusive gemeinsamen dackel….
wegen eventueller Siege der österreichischen Mannschaft würde ich mir vorerst nicht den kopf zerbrechen….und sollte dieses “wunder” tatsächlich eintreten, würde ich lediglich an Bestechung der gegnerischen Mannschaft/en glauben:-)
peter
June 4th, 2008 at 5:04 am
Es ist nicht zu fassen, wie die Neuen Atheisten alle, die anders denken als sie, beschimpfen und verhöhnen. Die “neue” Moral der Neuen Atheisten lässt grüßen.
Es ist ebenfalls nicht zu fassen, dass “alm” versucht, einen Priester, dem er Rundlichkeit vorwirft (was ist an Rundlichkeit schlecht?), mit dem grässlichen Verbrechen eines anderen Priesters schlecht zu machen. Das ist wohl schon die unterste Schublade. Es überrascht dann schon gar nicht mehr, dass “judith” “alm” zu übertrumpfen versucht.
Wahrliche – ein Heidenspaß!
Alm
June 4th, 2008 at 7:42 am
Wie einleitend erwähnt (“Es hat mit der Sache nichts zu tun…”) hat das eine mit dem anderen nichts zu tun. Christoph Pelczar ist Wolfgang Rathfelder als Pfarrer in Weikendorf nachgefolgt. Zuum “grässlichen Verbrechen” äußere ich mich nicht. “Rundlich” ist kein Vorwurf, sondern eine Tasache.
Mich hingegen als “Heiden” zu bezeichnen, finde ich unterste Schublade.
peter
June 4th, 2008 at 8:05 am
Ich habe niemanden als Heiden bezeichnet. Der Terminus “Heidenspaß” stammt vom Atheistenchef Michael Schmidt-Salomon.
Judith
June 4th, 2008 at 9:04 am
Übertrumpfen tun sich allerhöchstens die diversen katholischen “Seelsorger”, die es mit dem Zölibat nicht so genau nehmen. Und dass der Herr Pelczar eher vollschlank ist, wird er wohl auch selbst so sehen – sofern er sich nicht ganz vor der Realität verschließt.
Und was den “Atheistenchef” betrifft – das ist das Schöne am Atheismus – wir brauchen keinen Chef. Wir denken eigenständig.
peter
June 4th, 2008 at 9:25 am
Schon klar: Austeilen kann man, einstecken nicht. Im Gegenteil. Man legt noch nach.
Was den “Atheistenchef” angeht, so habe ich frei zitiert. Tatsächlich heißt es “Chefatheist”, und zwar auf einer vollkommen unverdächtigen Web-Seite: http://www.treffpunktdergottlosen.de/?p=14#more-14
Denkt der, der das geschrieben hat, nicht eigenständig? Er hat jedenfalls den Ausdruck
Ausdruck “Chefatheist” aus dem Spiegel übernommen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,485459,00.html
Alm
June 4th, 2008 at 9:35 am
Wer ist “man”?
Judith
June 4th, 2008 at 9:51 am
und was soll ‘man’ einstecken?
weder der ‘chefatheist’ noch sonst jemand ist autorisiert, mir zu sagen, was ich ‘einzustecken’ habe. Es sei denn, er kann es gut und glaubwürdig argumentieren. Mit Argumenten hat diese Diskussion bisher aber nichts zu tun.
peter
June 4th, 2008 at 12:46 pm
Ich habe mich am Stil des Artikels orientiert.
Wo bitte sind in dem Artikel Argumente?
Und damit einen schönen Tag noch.
Judith
June 4th, 2008 at 1:04 pm
Das ist das schöne an einem Blogpost – es ist kein Artikel.
Erich
June 4th, 2008 at 6:45 pm
Lieber Peter,
wir “neuen” (?) Atheisten (das Fragezeichen deshalb, weil ich schon immer Atheist war und es Skeptizismus und Atheismus schon so lange wie jede Religion gibt, ich frag mich also, was daran “neu” ist) leben halt einen kleinen Nachteil: Wenn wir über euch spotten, schweben uns die §§ 188 und 189 StGB wie ein Damoklesschwert im Genick. Und jede Form von Spott ist gleich ein Verbrechen.
Über uns lächerliche Heiden, über den dummen, schiachen Darwin, über Einstein, Freud und wie all diese unwichtigen Atheisten heißen, denen wir halt nur unser Wissen verdanken, über die darf man sich ungestraft lustig machen.
Kein faires Match. Gelbe Karte! Weiß-gelbe Karte.
peter
June 6th, 2008 at 9:22 am
Ob alte oder neue Atheisten — Ich habe niemanden als lächerlichen Heiden bezeichnet. Das kann ich auch gar nicht, denn jemanden als Heiden zu bezeichnen setzt voraus, dass er an Götter glaubt. Das trifft ja auf keinen Atheisten zu. Auch habe ich das abqualifizierende Adjektiv “lächerlich” nirgends gebraucht. Der Terminus “Heidenspaß” stammt, wie bereits erwähnt, von Dr. Michael Schmidt-Salomon, der ihn — ich möchte es so sagen — in Bezug auf die Atheisten “wertfrei” gebraucht. Doch grenzt er sich damit gegen glaubende Menschen ab: “Ich kann micht über sie lustig machen etc.” Ich habe also “atheistisches” Vokabular gebraucht.
Was nun das “sich ungestraft lustig machen” betrifft: Ich habe nirgends Darwin, Einstein, Freud usw. erwähnt, sie weder als dumm oder als “schiach” bezeichnt, noch mich über sie lustig gemacht. Ich weise entschieden zurück, dass Sie mir dies unterstellen und mich in das kreationstische Eck drängen. Ich stehe — und das mag sie wundern — voll auf dem Boden der modernen Naturwissenschaft.
Um es am Beispiel von Gen 1 zu erklären: Gott arbeitete 6 Tage, am 7. Tag ruhte er. Gen 1 wurde um 550 v.Chr. von einem jüdischen Priester in Babylonien geschrieben (babylonische Gefangenschaft). Der jüdische Priester wollte lediglich seine Leser — das sind nicht wir heute, das waren die exilierten Juden um 550 v.Chr. — darauf festlegen, in Babylonien nicht auf die Feier des Sabbats zu vergessen. So ließ er Gott 6 Tage arbeiten und am 7. Tag (= Sabbat) ruhen. Denn viele Juden in der babylonischen Gefangenschaft wollten den Sabbat nicht mehr beachten. Sie sollten sozusagen auf die Einhaltung des Sabbats eingeschworen werden. Nur eine Gedankenspiel: Hätte die Woche 5 Tage gehabt, dann hätte der jüdische Priester Gott 4 Tage arbeiten und am 5. Tag ruhen lassen; hätte die Woche 11 Tage gehabt, dann hätte er Gott 10Tage arbeiten und am 7. Tag ruhen lassen, usw.. Zu mehr Bibelkritik ist hier nicht der Platz, obgleich zu Gen 1 noch eine Menge kritisch anzumerken wäre. Die Bibel ist jedenfalls kein natuwissenschaftliches Lehrbuch. Und ich wehre mich auch entschieden dagegen, dass Sie mir die Bibel als natuwissenschaftliches Lehrbuch unterjubeln. Also bitte keine Ferndiagnose im Bezug auf das, was andere Menschen glauben oder nicht glauben. Die Atheisten haben das naturwissenschaftliche Wissen nicht gepachtet. Das ist ein großer Irrtum.
Was heißt hier “kein faires Match”? Lesen Sie bitte mal die diversen Internet-Seiten von neuen und alten Atheisten, Dr. Schmidt-Salomon, Freidenkern usw. — was da über glaubende Menschen an beißendem, verletzendem Spott ausgegossen wird, was da an Verhöhnungen zu lesen ist — bitte nicht wehleidig sein. Und der Artikel oben (von mir aus auch Blogpost) ist ja auch nicht gerade von schlechten Eltern. Und auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.
Erich
June 13th, 2008 at 7:35 am
“Gen 1 wurde um 550 v.Chr. von einem jüdischen Priester in Babylonien geschrieben (babylonische Gefangenschaft). Der jüdische Priester wollte lediglich seine Leser — das sind nicht wir heute, das waren die exilierten Juden um 550 v.Chr. — darauf festlegen, in Babylonien nicht auf die Feier des Sabbats zu vergessen.”
Ebenso, wie Sie, Peter, voll auf dem Boden der modernen Naturwissenschaft stehen, bin ich ganz gut über die christlichen Dogmen informiert. Und sowohl nach dem II. Vaticanum als auch nach Erklärung der evangelischen Bischofssynode ist das Erste und Zweite Testament voll und ganz Wort GOttes – und nicht “von einem jüdischen Priester in Babylonien geschrieben”. Letzteres ist eine sehr weltliche, ja atheistische Vorstellung, die jeder Gläubige streng zurückzuweisen hat, weil er sonst zumindest dem Fegefeuer, ja wenn nicht sogar heftigem (ewigem?) “Heulen und Zähneknirschen” verfallen ist. Da kennt der eifersüchtige GOtt, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied (vgl. 2 Mose 34,7) kein Erbarmen!!
Beißender und verletzender Spott ist unser einziges Mittel. Wir verfügen weder über die gigantischen Geldmittel der katholischen Kirche noch über einen eigenen Staat, der mit zahlreichen anderen Staaten Konkordate abschließt, wodurch Andersgläubige benachteiligt werden. Wir wurden gefoltert verbrannt und werden bei der Berufswahl diskriminiert. Und wenn man die Gesetze streng genug auslegt, werden wir auch heute noch für unseren Spott bestraft, laufen Gefahr, dass Bücher verboten werden (Ferkel) u.v.a.
Ich habe Ihnen nicht unterstellt, Darwin, Freud, Einstein oder Dawkins beschimpft oder verspottet zu haben. Aber andere tun es. Ungestraft. Wir haben schließlich Meinungsfreiheit. Aber lassen Sie mich meine Christus- und Mohammedkarikaturen veröffentlichen – und ich lande im Gefängnis und/oder werde auf offener Straße erschossen – von Menschen, denen schon dadurch das Himmelreich für immer offen steht…
Der grobe Klotz sind nicht wir Atheisten. Der grobe Klotz ist seit Jahrtausenden und bis heute die ethische Diktatur der Kirchen.
peter
June 14th, 2008 at 7:45 am
So einfach ist dies wieder auch nicht. Zunächst aber eine persönliche Vorbemerkung: Ich war im Jahr 1955 14 Jahre alt. Damals hatte ich im Biologie- und Physikunterricht eine katholische Lehrerin, die jeden Tag zur Messe ging. Sie erklärte uns das, was man damals über die Entstehung des Weltalls und des Lebens wusste, aus rein naturwissenschaftlicher Sicht, und der kath. Religionslehrer, ein Priester, sagte uns, als er über Gen 1-3 sprach, dass wir dies nicht wörtlich zu verstehen brauchten. Was die Entstehung des Weltalls und des Lebens anging, hatte ich wohl deshalb nie ein Problem, Glaube und Naturwissenschaft zu verbinden. (Andere Probleme stellten sich natürlich im Lauf des Lebens ein.)
Nun, es ist schon richtig, dass die kath. Kirche die Bibel als von Gott inspiriert bewertet. Doch muss man die ganze Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung “Dei Verbum” des 2. Vaticanums
(http://www.vaticarsten.de/theologie/theologiedokumente/vatii/dv.htm) lesen.
So heißt es in Abschnitt 12:
„Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat, muß der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte. Um die Aussageabsicht der Hagiographen zu ermitteln, ist neben anderem auf die literarischen Gattungen zu achten. Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschiedenem Sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen. Weiterhin hat der Erklärer nach dem Sinn zu forschen, wie ihn aus einer gegebenen Situation heraus der Hagiograph den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend – mit Hilfe der damals üblichen literarischen Gattungen – hat ausdrücken wollen und wirklich zum Ausdruck gebracht hat. Will man richtig verstehen, was der heilige Verfasser in seiner Schrift aussagen wollte, so muß man schließlich genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfassers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren. Da die Heilige Schrift in dem Geist gelesen und ausgelegt werden muß, in dem sie geschrieben wurde, erfordert die rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte, daß man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens. Aufgabe der Exegeten ist es, nach diesen Regeln auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift hinzuarbeiten, damit so gleichsam auf Grund wissenschaftlicher Vorarbeit das Urteil der Kirche reift. Alles, was die Art der Schrifterklärung betrifft, untersteht letztlich dem Urteil der Kirche, deren gottergebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen.“
Das ist ein sehr langes Zitat. Doch anders geht es nicht. In diesem Abschnitt der Dogmatischen Konstitution ist deutlich ausgesprochen, dass die Aussagen der einzelnen Teile der Bibel aus ihrer damaligen Zeit heraus erklärt werden müssen. Anders gesagt: Bei der Lektüre eines biblischen Textes muss man stets folgende Fragen stellen: Wer hat den Text geschrieben? Für wen hat er ihn geschrieben? Wann hat er ihn geschrieben? Wo hat er ihn geschrieben? Warum hat er ihn geschrieben? Erst wenn man diese Fragen beantwortet hat, kann man danach fragen, was der Text für das religiöse Leben eines heute lebenden Christen bedeuten kann. Das ist heute Allgemeingut katholischer (und gewiss auch evangelischer) Bibelexegese und hat nichts mit Atheismus zu tun.
Man muss auch beachten, dass es in der Bibel selbst, die ja nicht in einem Zug geschrieben wurde, Korrekturen gibt, die man, von der damaligen Zeit her beurteilt, als Fortschritt bezeichnen muss; selbstverständlich haben die Juden innerhalb ihres religiösen Systems weitergedacht (die alten Texte hat man nicht weggeworfen); nur naturwissenschaftliche Erkenntnisse darf man in der damaligen Zeit nicht erwarten.
Sie schreiben:
„Da kennt der eifersüchtige GOtt, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied (vgl. 2 Mose 34,7) kein Erbarmen!!“
Ja, das steht schon so da. Es wurde aber später korrigiert: z.B. Jer 31,29-30:
„In jenen Tagen [nämlich nach dem Exil] sagt man nicht mehr: Die Väter haben saure Trauben gegessen, und den Söhnen werden die Zähne stumpf. Nein, jeder stirbt nur für seine eigene Schuld; nur dem, der die sauren Trauben isst, werden die Zähne stumpf.“
Ein weiteres Beispiel:
In Gen 2 (zwischen 1.000 und 800 v. Chr. geschrieben) lässt der Schriftsteller Gott den ersten Menschen als Mann und die Frau aus der Rippe des ersten Menschen (= Mann) erschaffen. Unabhängig davon, was das auf den Hintergund der damaligen Zeit im Einzelnen bedeutet, in Gen 1 (babylonisches Exil) heißt es: Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. In diesem Bild — gleichzeitige Erschaffung von Mann und Frau — bildet sich ein Fortschritt ab: Man hatte bereits erkannt, dass Mann und Frau die gleiche menschliche Würde besitzen. Freilich hat diese Erkenntnis in den nächsten 2.500 Jahren keine besonderen Spuren hinterlassen, und der Vatikan hat damit auch gewisse Schwierigkeiten (Frauenpriestertum).
Ein Wort noch: Ich habe nicht die Atheisten, sondern den Artikel als groben Klotz bezeichnet.
Erich
June 14th, 2008 at 5:02 pm
Spannende Antwort, danke! Mit solchen Leuten macht Diskutieren Spaß
Rein katholisch-exegetisch haben Sie wohl recht. Aber es gibt ja genügend andere (auch christliche) Kirchen/Sekten, die das alles viiiel wörtlicher nehmen.
lg e
peter
June 15th, 2008 at 4:28 am
Ich muss etwas ergänzen. Es gibt — leider —- auch die Kreationisten in der kath. Kirche. Und auch der Vatikan rudert manchmal kräftig zurück (s. Schönborn). Ich kenne natürlich nur den deutschsprachigen Raum.
Ich kenne einen Rel.-Lehrer, der den Kindern einfach sagte: Das musst du so glauben. Der Herr ist etwa so alt wie ich, und ich glaube, es liegt daran, dass er es selbst so gelehrt bekam und sich nicht um seine Weiterbildung kümmerte.
Ich muss auch zum Jahr 1955 etwas ergänzen: Der Priester, der damals mein Rel.-Lehrer war, hatte noch den so genannten Antimodernisteneid vor seiner Weihe zum Priester ablegen müssen, also dass er die Naturwissenschaft ablehne. Wenn ich dies heute aus der Rückschau bedenke, bin ich froh, dass er sich an diesen widersinnigen Eid nicht gehalten hat.
Einen schönen Tag noch.