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Der Leserbrief in der Presse hat tatsächlich eine abgedruckte Reaktion hervorgerufen. Unter dem Titel “Christliches Sensorium” schreibt ein Peter Schmiedt – es könnte sich um den Inhaber der Privatschule Lat-in handeln -, dass sich “wiedereinmal ein ‘Nichtgläubiger’ zum Schulfach Religion ” äußert. Offensichtlich ist das auf den Leserbriefseiten der Presse Gang und Gäbe. Eigentlich erübrigt sich jedweder Kommentar zu dem frömmelnden Geseiere. Dennoch, die Antisäkularen verwechseln schon wieder einmal Äpfel mit Birnen: Nur der Religionsunterricht ermöglicht uns ein kunstgeschichtliches Verständnis, das uns nicht als die allergrößten Banausen dastehen lässt, wenn uns “Reisebüros am Urlaubsort durch Kirchen schleppen”. Das “christliche Sensorium ist darüberhinaus Garant für die beste (sic) zwischenmenschliche Beziehungskultur. Usw. usf.
In einem einzigen Punkt stimme ich mit dem Autor überein: “fragwürde esoterische Anleitungen zur Lebensbewältigung” sind keine Alternative, weil sie um nichts besser sind als der konfessionelle Religionsunterricht.
PS: Der von Peter Schmiedt als bewusster Untergriff verwendete Begriff “Neuheide” im Sinne von Neopaganismus zählt genauso zu den supernaturalistischen Hirngespinsten, wie die katholische Kirche selbst.
4 Responses to Pädagogik à la Molterer #2
Judith
December 19th, 2007 at 10:39 am
Der gute Mann hat offensichtlich keine Ahnung vom Lehrplan des Religionsunterricht in diesem Jahrhundert. Sakrale Musik und kunstgeschichtliche Kirchenbetrachtung sind da ebensowenig inkludiert wie Kirchengeschichte.
Anmaßend find ich vor allem auch die Aussage bzgl Scheidungsrate und christlichen Werte. Mir drängt sich der Verdacht auf, Herr Schmiedt hat die letzten 30 – 50 Jahre verschlafen und nicht mitbekommen, dass Frauen nicht mehr aus ökonomischen Grunden zur Aufrechterhaltung einer Ehe gezwungen sind.
Roland
December 19th, 2007 at 12:35 pm
@Judith: das ‘ganz im Gegenteil’ kam mir grad spontan in den Sinn
, wobei mir im Augenblick weder der Sinn nach Heirat noch nach Trennung steht.
und zur üblichen Kritik dass ‘wiedermal ein Nichtgläubiger…’, die meisten wurden ja mit dem Religionsunterricht zwangsbeglückt, mit oder ohne Glauben an das dort gelehrte. Meine Schulzeit ist noch nicht allzulange her, und an Kultur kann ich mich nicht erinnern (HTL nix Kulur), das positive am Religionsunterricht war allein die Tatsache dass ihn erstens mein Klassenvorstand gehalten hat, und dass dort neben dem allg. Schulstress einfach mal Diskussionen über ‘Gott und die Welt’ möglich waren, deswegen waren auch meist ‘alle’ anwesend, auch die nicht gläubigen.
Aber ich würde bei Fächern wie Religion oder ‘Ethik’ auch das Wort ‘Unterricht’ weglassen, genauso wie eine Benotung. Ich fände es wichtig wenn es im Schulsystem Möglichkeite gäbe wo man einfach nur diskutieren kann. Über das Alltagsgeschehen, über Geschichte, über alltägliche Probleme, über Politik, oder von mir aus über Religion … ohne über Konsequenzen oder Noten nachdenken zu müssen, und wo die Schüler lernen sich gesittet und produktiv zu unterhalten.
Und wo ein Lehrer auch mitdiskutiert, aber vor allem die Diskussion leitet und etwas ‘moderiert’. Wäre auch eine schöne Vorbereitung aufs ‘echte’ Leben. Wichtiger als die Geschichten vom vaterlosen Mann zu hören.
Judith
December 20th, 2007 at 12:17 pm
Ich hatte im Laufe meiner Schulzeit sehr unterschiedliche Arten von Religionsunterricht – in der Unterstufe etwa einen Priester, der uns sämtliche Bibel-Abkürzungen auswendig lernen ließ und diese abprüfte, oder auch ausführlich über das 2. Vatikanische Konzil und seine Folgen referierte. Und ich hatte auch Relgionsunterricht, der einem Ethikunterricht nahe kam. Nichtsdestotrotz – für Diskussionen zu allen erdenklichen Themen ohne Leistungs- und Benotungsdruck sollte in allen Fächern Platz sein – wenn das nicht der Fall ist, liegts meist an den Lehrern….aber es sollte keines ‘Religionsunterrichts’ bedürfen.
Alm
December 20th, 2007 at 1:25 pm
Im Endeffekt ist es irrelevant WIE der Religionsunterricht abläuft. Es besteht ja, denke ich, auch Einvernehmen darüber, dass über Religion(en), deren Geschichte und Folgen unterrichtet werden soll. Unbedingt mE. Das sol aber nicht in einem konfessionellen Unterricht geschehen, dessen Lehre von einem Gott offenbart wurde. Das Ganze kann auch sehr weltlich ablaufen.