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Die Wunden der Missbrauchsopfer möchte der Herr Kardinal mit Gebeten heilen.
Im Spiegel berichten sechs mehr oder weniger bekannte Prominente über ihren Glauben und weshalb sie "Religion leben".
DÜSSELDORF. (hpd/DA) Der Wissenschafts-Philosoph Prof. Dr. Gerhard Schurz hielt einen Gastvortrag im soziokulturellen Zentrum „zakk“. Über hundert Gäste nutzten die Gelegenheit, den Uniprofessor zum Thema: „Religion und Aufklärung aus evolutionärer Perspektive“ zu hören und mit ihm zu diskutieren.
PARIS. (hpd) Die französische Nationalversammlung verabschiedete wie erwartet am vergangenen Donnerstag den Gesetzentwurf der Linken Front (FdG), der das Wort "Rasse" aus der französischen Gesetzgebung löschen soll. Betroffen sind das Strafgesetzbuch, die Strafprozessordnung, das Arbeitsgesetz und das Gesetz vom 29. Juli 1881 über die Freiheit der Presse.
(hpd) Der anarchistische Theoretiker Peter Kropotkin arbeitete bis Anfang der 1920er Jahre an dem Buch „Ethik. Ursprung und Entwicklung der Sitten“, worin die Entstehung einschlägiger Auffassungen zum Sozialverhalten aus der Evolution abgeleitet wird. Der Klassiker kann als früher Beitrag zum Selbstverständnis eines naturalistischen Humanismus gelesen werden, was nicht Kritik an einzelnen Aspekten des Werkes ausschließt.
Wenn man etwas über Sex-Mythen herausfinden will, gibt es mehrere Möglichkeiten.
Man kann zum Beispiel eine wissenschaftliche Studie konzipieren.
Oder einfach die eigene Großmutter fragen.
Jessica Bahr hat beides getan.
Für ihre medizinische Doktorarbeit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) vergrub sie sich in eine umfangreiche Literaturrecherche (“keine Feldforschung im Schlafzimmer”).
Parallel dazu wollte sie von ihrer Oma wissen, wie diese lebenserfahrene Dame aus einer anderen Generation bestimmte Mythen der Sexualität einschätzt.
Das Ergebnis trug Jessica Bahr bei der Skepkon 2013 in Köln vor.
Dass Bahrs Doktorvater “Dr. Sommer” heißt, setzte das Thema aufs richtige Gleis – denn trotz vier Jahrzehnten Bravo, Sexualaufklärung im Schulunterricht und einem Internet voller Sex leben die Mythen rund um das Thema Sexualität weiter.
(“Dr. Sommer” ist in unserem Fall übrigens Frank Sommer vom Institut für Männergesundheit am UKE, der “weltweit einzige Mediziner mit einer Professur für Männergesundheit.”)
Exemplarisch stellte Bahr vier Sex-Mythen und deren wissenschaftliche Analyse vor:
Zunächst wies die Skepkon-Referentin auf verschiedene Probleme bei der Untersuchung solcher Fragen hin.
Es gebe zum Beispiel nur wenige Studien mit einer ausgewogenen Anzahl von männlichen und weiblichen Probanden, außerdem sei das Probandenkollektiv häufig sehr jung – was möglicherweise einen Auswahl-Bias hervorbringe, also eine verzerrte Stichprobe, die nicht repräsentativ für die Gesamtheit ist.
Nichtsdestotrotz war Frage 1 schnell beantwortet: Ja, es gibt statistisch signifikante Ergebnisse dafür, dass Männer mehr Pornografie konsumieren als Frauen.
So weit, so wenig überraschend.
Und auch die Großmama ging damit völlig konform:
Na ja, Pornos machen Männern schon mehr Spaß als Frauen. Aber warum wollten wir daran keinen Spaß haben?”
Auch Letzteres bestätigte sich bei Bahrs Recherchen, denn sowohl Männer als auch Frauen berichteten über mehr positive als negative Effekte beim Konsum von pornografischem Material.
Ähnlich ging es bei Frage 2: Ist die Libido der Frau in der Schwangerschaft abhängig vom Trimester?
Eine Studie aus Brasilien erbrachte, dass im zweiten Trimester die wenigsten sexuellen Funktionsstörungen auftreten und jugendliche Schwangere generell in allen Trimestern mehr Sex haben als ältere.
In London fanden Forscher eine abnehmende Tendenz der Koitusfrequenz im Verlauf der Schwangerschaft heraus.
Und eine Metaanalyse deutscher Wissenschaftler kam zu dem Ergebnis, dass Befragte, die sich in ihrer Beziehung wohl fühlen, in allen Trimestern der Schwangerschaft mehr sexuelle Kontakte haben. Befragte, die sich attraktiv fühlen, übrigens auch.
Bahrs lapidares Fazit:
Das hätte mir meine Oma auf Nachfrage auch mitgeteilt.”
(Was tatsächlich passierte: “Oma verdrehte die Augen und wandte sich interessanteren Themen zu”.)
Erst bei Frage 3 kam die Großmama etwas ins Grübeln: Sind attraktive Menschen fruchtbarer?
In der Tat ist das nicht ganz leicht zu beantworten.
Denn “Attraktivität” ist schwer zu messen und “Fruchtbarkeit” nicht leicht zu definieren (Anzahl der Kinder?).
Dementsprechend widersprüchlich sind die Studien dazu.
Prof. Boguslaw Pawlowski (Polen), der laut Wikipedia von der “Women’s body morphology” über die “Female voice frequency” bis hin zur “Female breast size attractiveness” anscheinend das weibliche Wesen komplett vermessen und kartografiert hat, fand 2009 “keine Korrelation zwischen Attraktivität und Anzahl der Kinder”.
Dagegen will Markus Jokela von der University of Helsinki ebenfalls im Jahr 2009 sehr wohl einen Zusammenhang entdeckt haben. Demnach hätten attraktive Menschen durchschnittlich mehr Kinder als weniger attraktive oder auch sehr attraktive Menschen.
Nun ja – wie gesagt sei auch Oma bei diesem Problem unschlüssig, erzählte Jessica Bahr. Sie …
… ist selbst eine attraktive Frau, mit drei attraktiven Söhnen, hat aber leider insgesamt nur drei attraktive Enkel. Wie konnte das passieren?”
Und wie sieht es nun mit den sexuellen Fantasien aus?
Hier verwies Bahr auf die Studie “Power, Desire, and Pleasure in Sexual Fantasies” von 2004.
Darin heißt es, die männlichen Probanden hätten in Fragebögen häufiger sexuelle Interaktionen mit mehreren Sexualpartnern und zusätzlich “explizitere Fantasien” beschrieben.
Aber auch bei Frauen …
… konnte eine Korrelation zwischen sexuell expliziten Vorstellungen und einer Interaktion mit multiplen Partnern festgestellt werden.”
Oma berief sich bei der Frage nach sexuellen Interaktionen mit zwei oder mehr Partnern übrigens auf ihr Recht zu schweigen.
Allerdings kann man dieses vermeintliche Mysterium auch bei der “Jungs- und Mädchenfrage” bei jetzt.de nachlesen, und zwar authentisch und detailliert.
Vollständige Aufklärung konnte Jessica Bahr den Skepkon-Teilnehmern also nicht zuteil werden lassen, was nicht zuletzt auch an den wenigen und zum Teil methodisch fragwürdigen Studien auf diesem Gebiet liegt.
In der Zeit wird Bahr zum Thema Sex-Mythen so zitiert:
Stimmen sie wirklich? Oft gibt es nicht nur die eine, klare Antwort. Denn im Sex gibt es viele Variationen – und die sind alle gut und normal. Es kommt darauf an, Verschiedenes auszuprobieren und herauszufinden, was einem Spaß macht. Das ist eine der Erkenntnisse meiner Doktorarbeit. Ihr Mehrwert ist also eher gesellschaftlich als wissenschaftlich.”
Live gibt’s die Skepkon-Referentin auch bei diesem Science-Slam zu sehen:
Direktlink zum Video auf Youtube
Zum Weiterlesen:
Es war ein Kinofilm, der 2012 die Verschwörungstheorie von den “Reichsflugscheiben” und den “Neuschwabenländlern” wieder ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit brachte:
“Iron Sky” ist eine Science-Fiction-Komödie, die …
… Bezug [nimmt] auf den Mythos der angeblich von Deutschland während des Zweiten Weltkriegs als Wunderwaffe entwickelten „Reichsflugscheiben“ sowie auf Behauptungen, die Nationalsozialisten hätten sich nach dem Krieg in eine geheime Militärbasis in Neuschwabenland zurückgezogen, um von dort aus einen erneuten Versuch der Welteroberung zu starten.”
Direktlink zum Video auf Youtube
“Ein Film voller Slapstick und Ironie”, schrieb ufo-information.de damals, warnte aber zugleich:
Das Thema der Reichsflugscheiben wird in der rechtsesoterischen Szene leider gar nicht so humorvoll behandelt wie in Iron Sky. Ganz im Gegenteil dazu werden hier braune Mythen geschürt und das rechte Klientel bedient.”
Darauf wies auch Dr. Holm Hümmler bei der Skepkon 2013 hin.
In seinem Vortrag “Nazis über uns?” markierte der Physiker und Unternehmensberater zunächst die Eckpfeiler des Verschwörungsmythos:
So weit, so bizarr.
Ein Blick auf die “extrem lebensfeindlichen Bedingungen” (Hümmler) in dieser küstennahen Region der Ostantarktis sowie die Tatsache, dass die tatsächlichen Forschungsstationen dort von ständiger externer Versorgung abhängig sind, sollte eigentlich schon genügen, um die Mär von “Hitlers Festung im ewigen Eis” als solche zu entlarven.
Weil aber Verschwörungstheoretiker dazu neigen, in winzigen Zeichen viel zu sehen, stürzen sie sich zum Beispiel auf den vielzitierten “wahren Kern” dieser Geschichte.
Der sieht jedoch bei Licht besehen lediglich so aus, dass 1938/39 das Schiff “Schwabenland” mit zwei Flugbooten die Region befuhr.
Sinn der deutschen Mission war jedoch nicht der Bau einer Festung, sondern im Mittelpunkt standen Vorbereitungen für die geplante Errichtung von Walfangbasen. Walfett und Tran benötigte man zur Produktion von Nitroglycerin, und deshalb wurde das Gebiet vermessen, wobei die beiden Flugzeuge auch deutsche Flaggen über der Antarktis abwarfen.
In den Kriegswirren gerieten die Kartografierungen schnell in Vergessenheit. Erst in den 1950er-Jahren wurden die Ergebnisse veröffentlicht.
Hinter dem angeblichen britischen “Angriff” wiederum steckt lediglich die “Operation Tabarin”, die 1943 lanciert wurde, um in der Antarktis drei permanent besetzte Stationen zu errichten.
Ach ja, amerikanische Kernwaffentests gab es auch noch, allerdings nur im Jahr 1958, und mehr als 2000 Kilometer vom Antarktis-Festland entfernt.
Was haben wir noch?
Zum Beispiel zwei deutsche U-Boote (U530 und U977), die bei Kriegsende das Weite suchten und schließlich in Südamerika wieder auftauchten.
Viele weitere U-Boote sind verschollen – wären aber definitiv nicht in der Lage gewesen, tonnenweise Material in die Antarktis zu transportieren.
Soviel zu Neuschwabenland.
Was hat es mit den “Reichsflugscheiben” auf sich?
Versuche mit Experimentalflugzeugen gab es wirklich, berichtete Hümmler.
Die sogenannten Nurflügler-Tests der Brüder Reimar und Walter Horten in den 1930er- und 1940er-Jahren gelten sogar als der Beginn der Stealth-Technologie.
Allerdings: Keiner der (nicht runden) Prototypen erreichte die Serienreife, da die unleugbaren Vorteile durch ein extrem instabiles Flugverhalten zunichte gemacht wurden.
Erst modernste Computertechnologie brachte 1989 den amerikanischen Nurflügel-Jet Northrop B-2 Spirit (“Tarnkappenbomber”) zur Einsatzreife.
Der einzige echte “Rundflügler” mit veritabel futuristischem Aussehen zur Zeit des Dritten Reiches war der Sack AS-6, der allerdings zugleich als echter Reinfall gilt:
Es wurde nie von einem geglückten Start, sondern immer nur von einigen kurzen Hüpfern berichtet”,
lesen wir bei Wikipedia.
Daneben kursieren diverse “Flugkreisel”-Mythen.
Zum Beispiel schreibt einestages über deutschen Flugzeugbau-Ingenieur Rudolf Schriever:
Dieser behauptete, bis zum 15. April 1945 an den Plänen für einen Leichtmetall-Flugkreisel gearbeitet zu haben, die er dem Reichsluftfahrtministerium vorlegen wollte. Getan hat er es nicht, und auch einen Beleg für seine Arbeit blieb Schriever schuldig. Die Flugkreiselpläne und das einzige Handmodell seien seit einem Einbruch in seine Werkstatt verschwunden, erklärte der Erfinder damals.”
Unwahrscheinlich, dass Schrievers Pläne, so diese jemals existierten, gestohlen und sich in “Reichsflugscheiben” realisierten, denn:
Auch nach dem Krieg kam wenig Nützliches heraus”,
erklärte Hümmler den Skepkon-Teilnehmern die weiteren Forschungen in Sachen “Flugkreisel” und “Flugscheiben”.
Auch die Tatsache, dass kauzige Hobby-Bastler wie etwa ein gewisser Viktor Schauberger als Antriebsenergie für Flugscheiben auf eine mystische Kraft namens “Vril” gesetzt hatten, mag ein limitierender Faktor gewesen sein.
Allerdings waren Gerüchte um die “Wunderwaffen” des Dritten Reiches durchaus bedeutsam für die Kampfmoral der Soldaten in den letzten Zügen des Zweiten Weltkriegs, belegte Hümmler mit dokumentierten Äußerungen deutscher Kriegsgefangener 1943/44.
Und genau hier schließt sich der Kreis zu den gegenwärtigen Neuschwabenland-Anhängern.
Noch 2010 fabulierte eine einschlägige Webseite über den “Ufo-Krieg am Südpol”:
Die Ereignisse werden sich nun zum Höhepunkt hin entwickeln. Die 3.Macht (DEUTSCHES REICH) wird den Sack nun zu machen und den längst überfälligen Paradigmen-Wechsel auf diesem Planeten einläuten! Der 2.Weltkrieg neigt sich dem ENDE zu! Alle Lügen dieser Welt werden ein jähes Ende finden und der Albtraum Zion wird ausgeträumt sein!!!”
Diese krude Mischung aus Esoterik und Nazi-Ideologie …
… kompensiert die eigene Machtlosigkeit”,
sagte Hümmler am Ende seines Vortrags und gab mit Youtube-Ausschnitten kurze Einblicke in die “wirren Träumereien” der Szene.
Die abschließende Frage, ob die heutigen Neuschwabenland-Gläubigen harmlose Spinner oder eine ernsthafte Gefahr für unsere Demokratie sind, sorgte für eine kontroverse Diskussion.
Darum geht es unter anderem auch in dem esoterikkritischen Dokumentarfilm “Die Mondverschwörung”, über den wir mehrfach berichtet haben:
Zum Weiterlesen:
Wie ist das eigentlich möglich, in einer hoch entwickelten Industrienation des 21. Jahrhunderts längst überkommene Irrlehren wie Homöopathie nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern immer weiter zu etablieren, bis in Politik und Hochschulen hinein?
Dieser Frage ging Prof. Martin Lambeck bei der Skepkon 2013 in Köln nach.
Der Physiker machte dafür eine Gemengelage aus wirtschaftlichen Interessen, politischem Opportunismus, intensiver Lobbyarbeit und echten Überzeugungstätern verantwortlich, was sich unter anderem in Stiftungslehrstühlen und in der rechtlichen Sonderstellung der “Besonderen Therapierichtungen” manifestiere.
Worauf sich die weltweit nahezu einzigartige Homöopathie-Affinität in Deutschland dagegen nicht stützt, ist eine nachgewiesene Wirksamkeit der Hahnemann-Erfindung.
Lambeck zitierte in diesem Zusammenhang unter anderem die gegenwärtige Inhaberin eines homöopathiefreundlichen Stiftungslehrstuhls der Carstens-Stiftung an der Berliner Charité, Claudia Witt, die den Forschungsstand zur Homöopathie so zusammenfasst:
Studien zeigen, dass Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen, meist chronisch krank und schulmedizinisch vorbehandelt sind. Ihre Beschwerden verbessern sich nachhaltig und die Effekte sind – soweit überhaupt erforscht ‐ mit denen schulmedizinischer Behandlung vergleichbar.
Inwieweit homöopathische Arzneimittel einem Placebo überlegen sind, ist unklar, für viele Indikationen gibt es keine Studien und vorhandene Studien finden widersprüchliche Ergebnisse. Bisher ist nicht eindeutig belegt, dass sich homöopathische Arzneimittel von Placebo unterscheiden.”
Das überrascht nicht wirklich, denn sollte sich alles, was zum Beispiel am Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften (IntraG) der Europa-Universität Viadrina behauptet und “erforscht” wird, tatsächlich belegen lassen, dann wären 75 Nobelpreise fällig.
Das war jedenfalls der Stand vor drei Jahren.
In seinem aktuellen Skepkon-Vortrag erhöhte Lambeck diese Zahl auf “mindestens 81″ – denn zwischenzeitlich hat beispielsweise das anthroposophische Pharmaunternehmen Weleda ein Mittel namens Neurodoron auf den Markt gebracht, das “potenziertes” (also stark verdünntes) Gold enthält.
Dieses “Neurodoron” vereinigt gleich mehrere Parallelwissenschaften in sich, denn Gold hat in der Anthroposophischen Medizin eine herausgehobene Bedeutung inne:
Durch seinen Bezug zur Sonne, damit zum Licht und zum Herzen, spielt Gold in der Anthroposophischen Medizin eine besondere Rolle.
Das Edelmetall ist das dichteste der medizinisch verwendeten Metalle, es ist fast doppelt so schwer wie Blei. Gold ist gleichzeitig sehr dehnungsfähig, ein Gramm Gold lässt sich zu einem zwei Kilometer langen Faden ausziehen, ohne dass er reißt.
Also sind Dichte und Weite, Konzentration und Ausdehnung im Gold vereint – eine Polarität, die eine Ähnlichkeit zwischen dem Herzen als Organ und dem Gold als Metall erkennen lässt. Diese Verwandtschaft wird in der Anthroposophische Medizin gezielt genutzt – denn Gold kann die Eigenschaft des Herzens, sich zusammenzuziehen und auszudehnen unterstützen und so den natürlichen Rhythmus stabilisiert und reguliert.”
Aber nicht nur das.
Mineralien und Metalle seien zwar tote Substanzen – dennoch tragen sie laut Anbieter …
… eine Art Biografie ihrer Entstehungsgeschichte in sich [...]
Mineralische und metallische Substanzen aus der Apotheke der unbelebten Natur sammelten ihre Heilkräfte während ihrer Entstehung im Laufe von Jahrmillionen in der Erdentwicklung.”
Na, da kann man nur hoffen, dass das Nobelpreiskomitee möglichst bald den Weleda-Katalog in die Hände bekommt.
Denn solche Sätze beschreiben genau das Gegenteil dessen, was die moderne Physik über die Nicht-Geschichtlichkeit der Atome lehrt.
Außerdem, so Lambeck weiter:
Hier wird das sogenannte Senkrechte Weltbild verwendet und die Signaturenlehre: Das Herz ist dehnbar, Gold ist dehnbar, also ist Gold ein Heilmittel für das Herz.
Sofern es auf die Dehnbarkeit ankommt, hätte man auch Silber oder Kupfer nehmen können. Außerdem soll das Herz sich nicht nur ausdehnen, sondern auch wieder zusammenziehen, also wäre die richtige Signatur Federstahl [...]
Diese Aussagen der Anthroposophen markieren den Graben zwischen ihnen und der Physik. Dieser Graben ist unüberbrückbar. Nur eine der beiden Lehren kann richtig sein [...] Wenn diese Aussagen richtig sind, müssen Physik, Chemie und Medizin radikal geändert werden.
Jetzt verstehen Sie, warum Neurodoron mein Lieblingsmedikament ist.”
Doch von solcherlei Petitessen lassen Politiker sich keineswegs abschrecken.
Gleichwohl anthroposophische und homöopathische Mittel überwiegend von den fünf “Parallelwissenschaften” Alchemie, Romantische Naturphilosophie, Signaturenlehre, Esoterik und Falschphysik geprägt seien, erfreuen sich die “Besonderen Therapierichtungen” des besonderen Wohlwollens der Politik.
Exemplarisch verwies Lambeck auf die Besuche der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und der derzeitigen baden-württembergischen Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren, Katrin Altpeter, bei der Firma Heel in Baden-Baden.
Man kann eigentlich nur Cornelius Courts vom Science-Blog BlooDNAcid zustimmen, der das Skepkon-Referat “Parawissenschaften als gesellschaftlich akzeptierte Parallelwissenschaften” so kommentiert:
Wenn Lambeck vorträgt, wird einem immer wieder klar oder noch klarer, wie absurd aber zugleich weitreichend die Annahmen sind, auf die sich gesamte Bereiche der Esoterik stützen, und wie unglaublich es tatsächlich wäre, wenn diese Annahmen stimmen würden. Unsere Welt wäre eine gänzlich andere.
Im gleichen Maße entsetzt es einen aber auch, wie hoch die Akzeptanz dieser Verfahren selbst bei Politikern und Fachleuten ist, und wie wenig die Wahrheit und die Bemühung, sie zu finden, noch zu gelten scheint.
Lambecks Vortrag war gut, aber so ernüchternd, dass ich geneigt war, mich einem Kommentator aus dem Publikum anzuschließen, der Lambeck nach einem guten Mittel gegen Depressionen fragte.”
Zum Weiterlesen: